Persönliche Empfehlung Album

Reihum gibt eine/r der JurorInnen in dieser Rubrik ihre/seine persönliche Empfehlung für ein Album ab und begründet diese schriftlich.

JAN 2022  Fredi Hallauer, Bern

Christoph Bürgin - Jäger und Sammler

Christoph Bürgin ist 65 und kommt aus Schaffhausen (Schweiz) nahe der Grenze zu Deutschland. Er wurde Lehrer, dann Verlagsbuchhändler, lebte in Bern, New York, Heidelberg, Zürich und wieder Schaffhausen. Er macht seit Jahrzehnten Musik und spielte in den verschiedensten Folk und Folkrock Formationen. Seit einigen Jahren ist er auch als Liedermacher tätig. Er spielt Saiteninstrumente von Gitarren über die Bouzouki bis zum Appenzeller Hackbrett. Christoph Bürgin singt im Dialekt von Schaffhausen.

Was ihn als guten Liedermacher auszeichnet sind einerseits die Themen die er aufgreift und wie er sie aufgreift. An ein paar Lieder soll das erläutert werden. In «Bombs Away» erzählt er von der Bombardierung von Schaffhausen durch die Amerikaner am 1. April 1944. Damals kamen 40 Menschen ums Leben und mehrere hundert wurden teils schwer verletzt. Am 1. April läuten in Schaffhausen deswegen immer noch die Kirchenglocken. Ein Zeitzeuge hat Christoph Bürgin die Geschichte erzählt und er nimmt im Lied die Sicht von George Insley, dem letzten noch lebenden amerikanischen Piloten von der bombardierenden Fliegerstaffel auf. Am Schluss heißt es der Pilot sei zufrieden und froh und erhabe für die Opfer viel gebetet, wenn das nur genug ist.

Ein anderes Beispiel ist «D’Schrift a de Wand». Das Lied erzählt, dass in Genua an einer Wand der Text aus der Bibel (Sprüche 6,30) steht «Verachtet man nicht schon den Dieb, auch wenn er nur stiehlt, um den Bauch zu füllen, weil der Hunger ihn treibt», den Fabrizio De André in seinem Lied «Alla mia ora di libertà» singt. Die Schrift wurde von der Stadt schon oft ausgelöscht und immer wieder steht sie dort. Als letztes Beispiel «Chum mit, mir gönd uf Breme». Da geht es um das Märchen der Bremer Stadtmusikanten, welche vielleicht gar keine Tiere waren, sondern Menschen welche hart arbeiteten und dann entlassen wurden. Sie reisten nach Bremen oder anderen Häfen um nach Amerika zu migrieren. Sie machten Musik um das Geld für die Überfahrt aufzutreiben. Er erzählt von diesen Menschen vom Ende des 19. Jahrhunderts.

Christoph Bürgin hat auch Kurse bei Sago absolviert und singt hier zwei seiner Lieder zu vorgegebenen Themen und zwei Lieder von Carl Michael Bellman in Schaffhauser Mundart. Migration, aber von Italienern in die Schweiz und ältere Menschen sind weitere Themen.

Elf Lieder sind auf dem Album zu hören. Die CD steckt in einem kleinen Büchlein, indem alle Texte sowohl in Mundart wie auch Deutsch abgedruckt sind, plus Erläuterungen in Deutsch. Dazu kommen noch Kurzgeschichten.

Christoph Bürgin singt in einer erzählenden und ruhigen Art und Weise und es macht Freude seinem Gesang und der tollen Folkmusik, bei der viele bekannte Musiker der Schweizer Musikszene mitgewirkt haben, zuzuhören.

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