Empfehlungen

Die persönlichen Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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März 2017
Hans Jacobshagen

Martin Zingsheim: Heute ist morgen schon retro

Den Förderpreis zum Deutschen Kleinkunstpreis hat er schon: Der Kabarettist Martin Zingsheim. Er ist jung und schon jetzt ein Meister des Wortes. Mit originellen nicht erwartbaren Pointen begeistert er sein Publikum. Ein wesentlicher Bestandteil seiner Programme waren aber auch stets seine Lieder, aus denen die Liebe zur Musik herauszuhören war.

Für das Düsseldorfer Kom(m)ödchen entstand ein Abend mit Kabarettchansons der legendären Lore Lorentz, alte Texte mit neu komponierter Musik. In der Zeit entwickelte sich die Idee, die eigenen Lieder opulenter zu gestalten. Zingsheim suchte drei Freunde zusammen, die ihn bereits bei musikalischen Frühversuchen während der Studienzeit begleitet hatten. Nebenbei bemerkt: Er promovierte über Stockhausens intuitive Musik. Zingsheim  schrieb Arrangements zu seinen Liedern. So entstand die Produktion: „Heute ist morgen schon retro“.  Mit Martin Weber an der Geige, Nils Wittmann an der Klarinette und Claus Schulte am Schlagzeug ist Martin Zingsheim, der sich selbst am Klavier begleitet, ein großer Wurf gelungen.

Es ist eine CD mit Wort und Musik. Und damit schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe: Ein tolles Kabarettprogramm und ein wunderschönes Liedprogramm in einem. Aber man sollte sich auch die Lieder einmal einzeln und isoliert anhören. Sie stehen jedes für sich, sind hintergründig, manchmal philosophisch, aber fast immer mit einer gehörigen Portion Witz gewürzt. Es beginnt mit einer Abhandlung über die Freiheit der Gedanken, die Freiheit der Rede. Und danach geht es leichter weiter mit Esoerika – da ist der Titel ja schon Inhalt. Es folgt eine kurze Betrachtung über die Postmoderne, es gibt eine Hommage an Herman van Veen und einen Rundschlag über die Zumutungen der Musik der 90er Jahre, Kritik an digitaler Kommunikation aber auch an der verlogenen Romantik der Liebhaber von Mittelaltermärkten. Tandaradei.

Zingsheims Lieder sind im klassischen Sinne Chansons, sie nehmen den Zeitgeist aufs Korn und sind dabei selten konkret politisch. Es macht Freude, sie immer wieder zu hören. Und das wird auch morgen so sein, wenn sie dann ein bisschen retro sind.

Weitere Informationen:
www.zingsheim.com

Roofrecords

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