Empfehlungen

Die persönlichen Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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Dez 2018
Hans Jacobshagen, Köln

Felix Meyer, Max Prosa, Fayzen & Sarah Lesch: Europa

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Drei junge Liedermacher und eine Liedermacherin haben sich zusammengetan, um gemeinsam ein Lied über Europa zu singen, Europa wie es war und wie es leider sein wird. Dabei sind sie stilistisch recht unterschiedlich und haben die Unterschiedlichkeit in ihrem gemeinsamen Lied bewahrt. Und sie zeigen damit deutlich, dass man auch etwas gemeinsam tun kann ohne seine eigene Identität aufzugeben.

In dem Lied geht es um das Mädchen Europa, dass der griechischen Sage nach von einem Stier überwältigt und entführt wurde. Doch Europa lernte die Bestie lieben. Sie bekam das Land, den Wind und ein Haus. „Und nun sag mir wie fühlt sich das an, wenn einem so viel Blut durch die Finger rann, wenn die Ohnmacht die Gewalt nicht beim Namen nennen kann? ...“ singt Felix Meyer in der ersten Strophe. Und Max Prosa fährt fort mit einer Beschreibung von Chaos und Untergang. Europa steuerte das Schiff durch alle diese Untiefen, dass Fayzen singen kann: „Ich bin aufgewachsen in einem reichen Land, in dem sich jeder alles leisten kann, bliebe er nur bei Verstand“. Aber diese Möglichkeit macht die Menschen gierig, so dass Sarah Lesch in der letzten Strophe nur resümieren kann: „Die Früchte des Reichtums fielen nicht weit vom Stamm und zogen gegen das Volk vor Gericht. Bald hatte sie uns alles abgeschwatzt, verhökert und aberkannt, dabei hattest Du für dein Glück nie mehr benötigt als das Licht und die Luft und ein bisschen Land“.

Die poetischen Bilder dieses Liedes setzen sich im Kopf fest, auch wenn die Beschreibung bruchstückhaft ist, Fragen offen lässt. Unsere eigenen Widersprüche werden offen-kundig. Auch wir ertappen uns dabei, dass wir manchmal unsere Gier nicht zähmen können. Ich deute dieses Lied als einen Aufruf zum Widerstand gegen grenzenlosen Konsum und zum bewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen. Das ist vielleicht keine neue Botschaft, aber sie ist neu erzählt und kann nicht oft genug wiederholt werden. Und so denken wir doch am besten alle mal darüber nach, was unser Konsumverhalten mit Rüstungsexporten, Dieselskandal und Hambacher Wald zu tun hat.

Das Lied Europa von Felix Meyer, Max Prosa, Fayzen und Sarah Lesch erschüttert. So will ich diese Empfehlung mit einem Zitat von Peter Rühmkorf enden lassen: „Bleib erschütterbar und widersteh“.


Weitere Informationen:
www.felixmeyer.eu
www.maxprosa.de
www.fayzen.de
www.sarahlesch.de

Video: https://www.youtube.com/watch?v=QHQGTQiS1vU

SPV Recordings

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