Empfehlungen

Die persönlichen Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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Jan 2019
Petra Schwarz, Berlin

Die Grenzgänger: Revolution

Auf ihrer 10. CD - wieder erschienen auf dem eigenen Label Müller-Lüdenscheidt - machen die Grenzgänger das, was sie seit 30 Jahren praktizieren: Sie s p i e l e n mit T r a d i t i o n e n. Der Anlass jetzt: der 100.Jahrestag der Novemberrevolution mit Demonstrationen am 9. November (!) 1918 in Berlin, die Ausrufung der Republik durch den SPD-Politiker Philipp Scheidemann und wenige Stunden später der „freien sozialistischen Republik Deutschland“ durch Karl Liebknecht und die 1919 durch Wahlen begründeten Weimarer Republik mit der ersten parlamentarischen Demokratie in Deutschland. Die Novemberrevolution - die die Grenzgänger zur vorliegenden Veröffentlichung inspirierte - wurde zwar blutig niedergeschlagen, setzte aber dem Massensterben des 1. Weltkrieges ein Ende.

Das Bremer Quartett mit deren Gründer (und „gelerntem Straßenmusiker“) Michael Zachcial (Gesang und Gitarre), Felix Kroll (Akkordeon), Annette Rettich (Cello) und Frederic Drobnjak (Konzertgitarre und E-Gitarre) - ergänzt durch Friedemann Bartels (Schlagzeug) und Claudius Toelke (Kontrabass und E-Bass) - hat 17 Songs aus dieser Zeit (oder älter, die vor hundert Jahren aber noch immer gesungen wurden) bearbeitet. Dabei scheint - wie der Name es auch im musikalischen Sinne schon suggeriert - kein Musik-Stil vor ihnen „sicher“ zu sein. Der Titelsong „Die Revolution“ kommt als Reggae daher, „Im Januar um Mitternacht“, das Büxensteinlied, ist ein an den Blues und New Orleans-„Töne“ angelehntes Stück und auch Hardrock-Anklänge findet man. So kommen die Songs an keiner Stelle „altbacken“ daher; sondern bekommen durch dieses moderne „Gesicht“ einen ganz eigenen Charakter: niemals traditionalistisch, immer - z.T. überraschend - neu.

Die Lied-Texte sind von bekannten Dichtern wie Erich Mühsam, Ernst Toller, Ferdinand Freiligrath oder Bertolt Brecht; aber auch von vielen unbekannten Autoren. Z.T. hat Michael Zachcial, der „Kopf“ der Grenzgänger, Texte bearbeitet und außerdem Musiken neu komponiert.

Viele Informationen zu jedem einzelnen Lied helfen, das Ganze einzuordnen und regen darüber hinaus an, sich mit der Zeit und ihren Liedern zu beschäftigen. Es ist - wie immer bei den Grenzgängern - lehrreich!

„Ein musikalischer Energiestoß, in einer Zeit, in der viele westliche Gesellschaften nach rechts driften.“ betont Michael Zachcial. Dem kann ich nur zustimmen und empfehle die „Revolution“ ;-).


Mehr Informationen:
www.die-grenzgänger.de

Müller-Lüdenscheidt-Verlag

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