Empfehlungen

Die persönlichen Empfehlungen stammen von unserer Jury
und geben – ob sie nun (oder nicht) mit unserer aktuellen Bestenliste korrespondieren –
einen Einblick in die Einschätzungen (und Vorlieben) der Jurymitglieder.

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Juli 2019
Wolfgang Rumpf, Bremen

Maria Schüritz - Durchs Zugfensterglas

Album: Ich, Dein Wahnsinn

Einiges hat Liedermacherin Maria Schüritz aus Leipzig, Jahrgang 1985, auf ihrem zweiten Album, das sie über Crundfunding finanzierte, buchstäblich auf den Kopf gestellt: Auf dem Cover stehen ihre Haare zu Berge, innen zeigt sich die Künstlerin inmitten eines Bücherregals mit Gitarre über sich verkehrt herum. Diese umgedrehte, verkehrte Welt schlägt sich auch im Eröffnungssong "Durchs Zugfensterglas" in origineller Art und Weise nieder, unterstützt wird sie von Keyboard, Kontrabass und Schlagzeug. Hier karikiert sie die Hektik des Alltags („Jeden Morgen zu früh und doch zu spät; verschwitzt am Bahnsteig; keine Sekunde verlebt“) zunächst mit ruhigen bluesgetränkten Akkorden, bevor der Blick durch Zugfenster Fahrt aufnimmt und in eine ganz andere musikalische Richtung weist, die mit Schüritz" früheren Funk- und Soulbands zu tun haben: Der Song swingt los, wird heiter und leichtfüßig, wechselt mit einigen Bluenotes ins Jazzige und schiebt ein neues Thema in den Fokus: Hemmungsloses Shoppen als Ausbruchsversuch und Akt der Befreiung:„Nachmittags kauft sie sich frei; kauft sich ein kleines bisschen Glück; noch mehr Sommerkleider, Glasvasen, Pop-Musik.“

Der Blick aus dem Zugfenster bietet neben der Suche nach „einem kleinen bisschen Glück“ (ein Zitat aus dem Werner Heymann-Song "Irgendwo auf der Welt" 1932, gesungen von der bezaubernden Lilian Harwey und den Comedian Harmonists) auch Erholung fürs Auge – garniert wiederum mit spielerisch verdrehten Metaphern: „Das Feld schaut ganz freundlich, ein Fahrrad flüstert heimlich; ein Dorfbahnhof lädt sie ein; Ein Trampelpfad fragt nach dem Weg“.

Maria Schüritz" schräge Blicke durchs Zugfenster fallen musikalisch originell und textlich irgendwie verdreht aus, die Band untermalt den Trip mit griffiger Begleitung. Schon der Eröffnungssong zwischen deutschem Songwriting und Jazz macht neugierig auf die dreizehn weiteren Songs des Albums.


Weitere Informationen:
www.maria-schueritz.de

RUM-Records

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