Beim schwäbischen Dialekt denkt man gemeinhin zuerst ans erfolgreiche Ländle BaWü, an Porsche, Mercedes und an den Spruch: Wir können alles, außer Hochdeutsch. Schwäbisch gilt vielen – und da schließe ich mich nicht aus – als Inbegriff für schaffe, schaffe, Kehrwoche und zu Hause bleibende, Kinder erziehende Ehefrauen. Das eine oder andere Vorurteil mag da durchaus vorhanden sein, aber auch ein Stück Lebenswahrheit. Einer, der zu seinem Dialekt steht – oder ist es eine Mundart – ist Thomas Felder. Sein erstes Lied, das ich kennen lernte und das mich beeindruckte, war der „Luftpfennig“. Das war Anfang der Neunzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts. Jetzt blickt Felder zurück auf 40 Jahre Bühnen- und Medienpräsenz. Er blättert auf seiner aktuellen CD ein Kaleidoskop von Liedern auf, die zu unterschiedlichen Zeiten und Anlässen entstanden sind. Das gibt dem CD-Programm die Farbe und den Bogen über vier Jahrzehnte deutscher Geschichte und Gegenwart. Der Hörer erfährt im ersten Lied „Hao lang braucht zum komma“ Grundsätzliches über Thomas Felder. Er ist zwar blitzgescheit, aber bei ihm dauert es eben immer etwas länger, bis er an Ziel kommt – davon unabhängig, betrachtet er sich immer noch als unterwegs Seiender.
Felder lässt den Hörer teilhaben an seinem Lebensweg von Deutschland über England zurück in die Heimat. Dabei erfahren wir auch, dass der Schwabe seine ersten Spuren auf englischen Tonbändern hinterließ. Das Lied „Volksrealhaoptobrschal“ nahm er neben anderen Liedern für den englischen Schulfunk auf. Das war dann die Initialzündung, dass auch der Prophet begann, im eigenen Ländle etwas zu gelten. Thomas Felders Laufbahn als Songpoet mit öffentlicher Wahrnehmung begann. Seit dem, seit 40 Jahren also, blickt Thoams Felder auf seine Mit-Schwaben, auf ihr Tun, vor allem aber auch auf ihre Eigenheiten. Und so sollte jeder, der Thomas Felders CD in die Hand bekommt, neben den bereits genannten, den „Kulturnachtwächter“ als eines der ersten Lieder hören, kurz danach aber auch „Land voll Läaba“.
Lebensreise und Musikreise zugleich ist Thomas Felders neue CD 40 liederliche Jahre. Eine Empfehlung nicht nur für die, die des Schwäbischen mächtig sind.
Die persönliche Empfehlung CD – Januar 2010 Musik & Wort (www.thomas-felder.de)
|