Tief aus dem Süden Deutschlands, nämlich aus Ingolstadt/Bayern, kommt der Singer/Songwriter, Liedermacher und Bluesmann Helmut Licklederer, in der Szene besser bekannt als Blues Lick. Mit Sicherheit gehört er zu der stetig anwachsenden Riege derjenigen Musiker, die durch ihre Kunst all jene Lügen strafen, die den einzig amtlich zulässigen Blues ausschließlich von schwarzen Musikern aus den USA repräsentiert sehen wollen. Im Grunde handelt es sich um eine längst überflüssige Debatte, doch die Fähigkeit und Bereitschaft, über Genre- und andere Grenzen hinauszublicken, ist noch längst nicht überall etabliert.
Blues Lick fühlt sich dem Roots-Blues verpflichtet, und das ist in nahezu jedem Takt seiner neuen CD Da Deifesweg nachzuempfinden. Erdige, staubtrockene, traditionelle Bluesklänge treffen auf skurrile, abenteuerliche und durchaus komische Geschichten über ziemlich schräge Sonderlinge, Nervensägen, Spinner und Chaoten – und alles gepaart mit echter Spielfreude und entspanntem musikalischem Können.
Neben den elektrischen Gitarren, gespielt von Matthias Inderst und Blues Lick (Slidegitarre), Bernhard Schönke am Bass und Raimund Liebhaber (Schlagzeug), ist besonders Ferdl Eichner mit seiner Bluesharp hervorzuheben. Die gleichermaßen permanente wie brillante Präsenz dieses Musikers verleiht dem neuen Album eine ganz besondere, spezielle Note. Akustischer Blues vom Feinsten. Blues-Groove aus den bayerischen Swamps halt.
Das Titelstück „Da Deifesweg“ thematisiert natürlich die alte Legende von der geheimnisvollen Weggabelung, an der der Teufel ab und an aufkreuzt, um ehrgeizigen Musikern für den Preis ihrer Seele den ultimativen Blues zu verkaufen. Robert Johnson hat diese Geschichte erstmals in seinem Song „Cross Road Blues“ erzählt. Auch Blues Lick begab sich auf die Suche nach dieser Kreuzung, hat sie aber wohl in den bayerischen Swamps nicht entdeckt. Jedenfalls traf er den Teufel nicht. Aber der Blues hat ihn getroffen, nämlich aus Enttäuschung darüber, mit dem alten Herrn der Finsternis nicht ins Geschäft gekommen zu sein. Und nun kann der Blues Lick sich darüber freuen, seine Seele nicht verscherbelt zu haben.
Apropos über den Genrerand blicken: Die beiden letzten Songs des Albums – „Katzengoid“ und „Paula“ – verdeutlichen schließlich, dass Blues Lick nicht nur ein intensiver, spielfreudiger Bluesmann ist, sondern ebenso ein ganz normaler Singer/Songwriter voller Gefühl und Wehmut. Als wenn Gefühl und Wehmut nicht gleichermaßen Charakteristika des Blues wären. Weg mit diesem ewigen Schubladendenken!
Die persönliche Empfehlung CD – Oktober 2011 Blues Lick – Da Deifesweg BSC Music (www.bscmusic.com) Empfohlen von Kai Engelke, Surwold |