Persönliche Empfehlung Lied

Reihum gibt eine/r der JurorInnen in dieser Rubrik ihre/seine persönliche Empfehlung für ein Lied ab und begründet diese schriftlich.

JAN 2022  Petra Schwarz, Berlin

Barbara Thalheim - Ich war ich bin ich werde sein. Die Revolution.

Es ist in und für Deutschland ein geschichtsträchtiges Datum, wie kein anderes: der 9. November. „Die Ereignisse der 9. November aus den Jahren 1848, 1918, 1923, 1938, 1939,1989 - ja, und auch 1967 lassen vermuten: Wer die Lektionen seiner Geschichte nicht lernt, muss sie wiederholen!“ betont Barbara Thalheim. Sie hat sich intensiv mit diesem Datum und „dem Auf und Ab der deutschen Demokratie“ beschäftigt, ihr aktuelles Programm dazu jetzt auf die Bühne gebracht und – noch dazu in diesen Corona-Zeiten - auf CD veröffentlicht.

Der 9. November in Deutschland ist ambivalent. Nicht nur, weil an einem Tag - am 9.November 1918 - die Republik gleich zweimal ausgerufen wurde. Auch die „friedliche Revolution“ am 9. November 1989 hat bis heute durchaus Ambivalentes …
Der Song „Ich war ich bin ich werde sein. Die Revolution“ ist - nach dem „Einheitsfrontlied“ von Bertolt Brecht und Hanns Eisler aus dem Jahr 1934 - gleich das zweite Stück auf der CD. Eine trotzige Ballade auf Robert Blum. Robert - wer?

„Wer ist das? Gehört der zur Familie? Wer hat wen erschossen?“ fragte sich die Thalheim schon als 8Jährige. Damals war sie oft bei ihrer Leipziger Oma, die nach anstrengender Arbeit nicht selten ausrief: „Ich bin erschossen wie Robert Blum“.

Längst weiß die Thalheim: „Robert Blum war einer der wesentlichen Politiker seiner Zeit, der a m 9. November 1848 - mit gerademal Anfang 40 - hingerichtet wurde.“ Von ihm, dem Abgeordneten des ersten demokratisch gewählten gesamtdeutschen Parlaments, der Frankfurter Nationalversammlung, erzählt sie im Programm ausführlich und singt dann - mit dem von ihr bearbeiteten Text von Ferdinand Freiligrath (1851) und der eigenen Musik - über einen der führenden Köpfe der Demokraten, der sich für eine „republikanische Verfasstheit des deutschen Nationalstaates einsetzte.“ (Wikipedia)

Manche Zeilen hat Barbara Thalheim von Freiligraths Text „Die Revolution“ 1 zu 1 übernommen, sogar manche „Strophe“; Vieles aber hat Barbara Thalheim bearbeitet… und spätestens in der zweiten Strophe „ … und ob ihr mir die Lockenpracht von meinem Schädel schort …“ sehe ich die Künstlerin selbst mit ihrer Lockenpracht vor mir. Wie überhaupt „Parallelen“ zur Thalheim wohl nicht zufällig sind.

„Ich war ich bin ich werde sein. Die Revolution“ ist ein kraftvolles Werk. Der treibende Rhythmus fängt mich von der ersten Sekunde an ein. Die Gitarre dominiert (zunächst). Kein Wunder: Das Arrangement ist vom Gitarristen Rüdiger Krause (und der gesamten – wunderbaren – Band!). Aber auch die vielfältige Percussion von Topo Gioia bestimmt von Anfang an den Sound.
Die „NOVEMBERblues“-Lieder „bündeln das vorher Erzählte“, sagte mir Barbara Thalheim im Interview zur CD. Auf der Bühne erzählt sie (sehr) viel … und insofern ist es der Künstlerin ganz wichtig, dass es demnächst auch eine DVD mit dem kompletten Programm geben wird.
Ich finde: Schon die CD ist äußerst hörenswert … und mindestens den Song „Ich war ich bin ich werde sein. Die Revolution“ empfehle ich besonders.

Wer auf mehr mit Barbara Thalheim im Gespräch Lust hat: https://lebendig-reden.de/petra-schwarz-podcast-mit-barbara-thalheim/

Weitere Informationen: www.barbara-thalheim.de

Die Top 20 der
deutschsprachigen
Liedermacher

Jeden Monat aktuell